Das kann doch gar nicht sein!

Eine Vorlage zum Gebet mit Kindern am 4. Fastensonntag

Das Gebet für Kinder steht auch zum Download zur Verfügung. In der Datei findet sich auch ein Ausmalbild zum Ausdrucken: PDF-Datei herunterladen

Das kann doch gar nicht sein!

Kennt ihr das auch: Da sieht jemand ein Kind, das er gar nicht kennt, und sagt gleich: Wer solche Klamotten trägt, mit dem kann was nicht stimmen. Oder: So wie die aussieht, kann sie bestimmt nicht richtig Deutsch und wird ziemlich dumm sein.

Die Jünger sehen einen Blinden und wollen ihn gleich einordnen: Einer muss gesündigt haben. Wenn er blind ist, dann kann das kein guter Mensch sein oder zumindest seine Eltern nicht.

Und nachdem Jesus etwas ganz Wunderbares an ihm getan hat, nämlich seine Blindheit zu heilen, da sagen viele, die es gesehen haben: Das geht doch nicht, am Sabbat macht man so was nicht. Das ist kein Wundertäter, das ist ein Sünder!

Dass der Blinde ja wirklich geheilt wurde, das passt ihnen nicht, also jagen sie ihn fort, wollen nichts mehr mit ihm zu tun haben. Dabei hatte sich dieser Mensch sicher so darauf gefreut, dass er jetzt alles mit ihnen mitmachen kann.

Wir teilen oft die Menschen ein, bevor wir sie kennen gelernt haben.

Als unsere Familie umgezogen ist, fragten unsere Bekannten, wohin wir denn gehen. Als wir den Ort nannten, fragten viele, ob wir ins obere Dorf ziehen oder ins untere, das größer ist. Wenn wir dann sagten: Wir ziehen ins obere Dorf, dann bekamen wir alle Vorurteile zu hören: Ach, was sind die stur! Und feiern können die gar nicht, ohne die Leute vom unteren Dorf hätten die schon lange keine Kerwe (Kirchweih) mehr! Nach 30 Jahren feiern die immer noch und sogar vergrößert ihre Kerwe!

Jesus will unsere Augen öffnen, damit wir einander richtig sehen

Die Jünger meinen also auch gleich: Aha, blind, alles klar, da brauchen wir gar nicht mehr näher hinzuschauen, wer das eigentlich ist. Aber auf ihre Frage an Jesus, welches Vorurteil jetzt das richtige ist, in welche Schublade sie diesen Mann stecken sollen, sagt Jesus ganz klar: Das trifft alles nicht zu! Aber ihr werdet gleich etwas erleben, ein Zeichen, das euch die Augen öffnen soll für das, was wirklich wichtig ist!

Jesus heilt den Blinden, ohne zunächst von Sünde zu sprechen (was er ja sonst bei Heilungen oft tut). Als Jesus erfährt, dass man den Geheilten verstoßen hat, da spricht er ihn wieder an. Das bringt sicher die Jünger zum Nachdenken. Wenn wir im Johannes-Evangelium ein paar Verse weiterlesen, dann begegnen uns die Pharisäer wieder, die das Wunder verurteilt haben, und sie fragen Jesus (vgl. Joh 9,40): „Sind wir denn etwa auch blind?“ Der Geheilte dagegen, der erkennt Jesus zunächst als Propheten, und als sich Jesus ihm als „Menschensohn“ vorstellt, da glaubt er ihm.

Das Licht und die Kinder des Lichts

In der Lesung heute aus dem Epheser-Brief sagt uns Paulus mit seinen Worten, was Jesus vielleicht den Jüngern nach der Blindenheilung auch gesagt hat: „… wandelt als Kinder des Lichtes … Die Frucht des Lichtes besteht nämlich in lauter Güte und Gerechtigkeit und Wahrheit“ (Eph 5,8-14).

Das Licht lässt uns erkennen, wer jemand wirklich ist, und heilt uns von der Blindheit der Vorurteile: Die Güte sieht darüber hinweg, wenn ein Kind etwas nicht so gut kann oder mal ausrastet, das wird ihm dann nicht ewig nachgetragen. Das Licht soll fallen auf das, was es gut macht, wo seine Stärken sind. Die Gerechtigkeit sorgt dafür, dass niemand Unrecht getan wird, dass jemand angehört wird, bevor man ihm Schuld gibt. Die Wahrheit soll ans Licht bringen, was wirklich ist, und nicht, was leichtfertig gesagt wird: „So wie die aussieht … Wo der herkommt … “

Wir wollen Jesus bitten, dass er unsere Blindheit heilt, damit wir einander richtig sehen. Damit wir einander so liebevoll ansehen, wie Jesus sicher den Blinden angesehen hat, gerade auch, als er ihn das zweite Mal traf und fragte, ob er an ihn glaube.

Wie geben sich Kinder des Lichts den Friedensgruß? Wie schauen wir uns da an?

Der Blinde hat Jesus gespürt, als er noch nicht sehen konnte. Jesus hat ihm den Teig aus Speichel und Erde auf die Augen gestrichen. Wir dürfen Jesus spüren und sehen – verborgen in der Gestalt des Brotes, das wir bei der Kommunion empfangen können. Wenn wir den Leib Christi in der Hand spüren, können wir daran denken, wie der Blinde die Hand von Jesus gefühlt hat, als er seine kranken Augen berührte. 

Im Segen wird uns gesagt: Es ist gut, dass es dich gibt. Wir können darum bitten, dass uns dieser Segen heute stärkt, nicht blind füreinander und für Jesus zu bleiben, sondern immer mehr Kinder des Lichts zu werden. 

Klaus Heizmann

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