Erinnern und erwarten

Predigtgedanken zum 5. Fastensonntag

Die Predigtgedanken stehen auch zum Download zur Verfügung: PDF-Datei herunterladen

Erinnern und erwarten

Vieles in unseren Gottesdiensten, in unserer Liturgie ist wie im Spiel. Wir greifen voraus, so auch in den Wochen vor Ostern. Die gesamte Fastenzeit leitet uns durch faszinierende Bilder – geradezu Hinweisschilder an einer langen Wegstrecke. Auf unserem Weg lockt uns das Ziel.

Am ersten Fastensonntag dieses Jahres vergewissern wir uns unserer eigenen Versuchung; unsere Gier nach Macht, Genuss und Geltung wollen wir nicht übersehen. Der Kampf Jesu und sein Sieg über die gottwidrigen Mächte wecken uns auf und bringen uns auf den Weg.

In der Verklärung Jesu (am 2. Fastensonntag) wird uns unsere eigene österliche Zukunft greifbar nahe.

Am Sonntag darauf wird uns das lebendige Wasser, Jesus am Jakobsbrunnen, zur Einladung. In der Taufe wird alles aus dem Weg geräumt, was die Freundschaft Gottes zu jeder und jedem von uns stören und blockieren könnte. In der beeindruckenden Osternacht, am Ende unseres Weges durch die Österliche Bußzeit, erneuern wir unser Taufversprechen und binden uns damit neu ganz entschieden an Gott.

Am vergangenen Sonntag gingen dem geheilten Blinden die Augen auf. Die Taufe ist eine Erleuchtung: als Getaufte dürfen wir uns als erleuchtet verstehen. Wasser und Licht sind die starken, sprechenden Symbole der Osternacht.

Heute am fünften Fastensonntag greifen wir erneut auf Ostern voraus. Jesus erweist sich als die „Auferstehung und das Leben“. Vergangenheit und Zukunft, Erinnern und Erwarten sind offensichtlich die starken Pole für unsere Liturgie. Es gibt viele Menschen, die vom Todesschicksal gezeichnet sind. Partner und Paare, die vor dem Scherbenhaufen ihrer Beziehungen stehen. Wer irgendwo „durchgefallen“ ist, wer versagt hat, traut sich nichts mehr zu, ist ohne Zukunft. Und wie viele spüren, dass andere von ihnen sagen: „Der ist für mich gestorben“. Sollte es wirklich wahr sein, dass Gottes lebendig machender Geist „Gräber öffnet“ und ins verheißene Land führt, also Zukunft ermöglicht? Lassen wir uns doch bewusst von Gott her sagen: „Ich hauche euch meinen Geist ein, dann werdet ihr lebendig“. Das Volk Israel hat dies erfahren – in verschiedenen Situationen. Was trauen wir, was traue ich dem Lebensatem Gottes zu? Bitte ich ihn ehrlich, meine toten, vertrockneten Lebensbereiche wieder zu verlebendigen? Jeder von uns weiß um das „Tal der Tränen“ mit Lebensbedingungen, die dem Tod ähnlich sind. Sie gehören zur menschlichen Existenz. Jesus erweist sich als „die Auferstehung und das Leben“. Wir haben es gerade gehört. An jedem offenen Grab bekennen wir mit dieser Aussage unsere Zuversicht. Die Liturgie dieses Sonntags führt in den innersten Kern unserer christlichen Heilsbotschaft hinein: Christus hat den Lazarus als „Zeichen“ seiner Lebensmacht von den Toten auferweckt. Er selbst ist durch seine Auferstehung in das Reich Gottes aufgefahren. Uns allen, die wir an ihn glauben, hat er seinen lebenspendenden Geist zugesichert. Nichts bleibt beim Alten. Neues dürfen wir erwarten. In der feierlichen Präfation für diesen Sonntag singen heißt es: „Da Jesus Mensch ist wie wir, weinte er über den Tod seines Freundes, da er Gott ist von Ewigkeit, rief er Lazarus aus dem Grabe. Er hat Erbarmen mit uns Menschen und führt uns zum neuen Leben durch die österlichen Sakramente.“  

Konrad Schmidt

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