Am Anfang steht das Vertrauen

Predigtgedanken zum 3. Ostersonntag

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Am Anfang steht das Vertrauen

„Glauben heißt auf Gott vertrauen.“ Das leuchtet jedem ein, denn ohne Vertrauen kann keine Beziehung zwischen Gott und dem Menschen wachsen. Gläubig ist, wer auf Gott vertraut. Und wer darf sich dann „Christ“ nennen? Ist das nur eine Formalie, ist es der Taufschein, ist es die reine Kirchenzugehörigkeit, ist es das Sakrament der Firmung? Ich behaupte: Christ sein heißt auf Jesus von Nazaret vertrauen! Aber wie kann dieses Vertrauen entstehen und wachsen? Was sagt das heutige Evangelium von der Offenbarung des Auferstandenen am See von Tiberias dazu? Jesus steht am Ufer und zeigt sich als der große Unbekannte. Es heißt: „Die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war.“ Da stellt dieser Unbekannte eine Frage: „Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?“ Und als sie verneinen, sagt er sofort: „Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus, und ihr werdet etwas fangen.“ – Auftrag und Verheißung durch einen Unbekannten! Schon jetzt werden sie sich diese Fragen gestellt haben: „Wer ist das?“ – „Wieso spricht er uns so an?“ – „Wie kommt der dazu?“ Die Jünger lassen sich ein auf das Wort eines ihnen völlig Unbekannten. Und sie fahren hinaus und machen einen überraschend reichen Fang. Da gehen ihnen die Augen auf. Jesus wird zuerst von dem Jünger erkannt, von dem es im Evangelium heißt, dass ihn Jesus liebte. Da war schon eine tiefe Beziehung gewachsen. Und so stellt er fest: „Es ist der Herr!“ – Und Petrus lässt alles zurück und springt in den See, um ihm entgegen zu schwimmen. Nichts hält ihn mehr auf. Jesus bereitet ein Mahl vor mit Fisch und Brot. Und er lädt die Jünger ein zu diesem Mahl: „Kommt her und esst!“ Jesus bietet Gemeinschaft an, und die Jünger folgen der Einladung. Es heißt: „Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch.“ So entsteht eine Gemeinschaft zwischen den Jüngern und Jesus, eine Gemeinschaft, die geprägt ist von Nähe und Distanz, wenn es heißt: „Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war.“ So kamen die Jünger zum Glauben an ihn. Hier wird Wesentliches berichtet über das Werden des christlichen Glaubens. Glaube ist ein dialogisches Geschehen. Auf der einen Seite steht Jesus als der Unbekannte, der sich den Menschen offenbart. Auf der anderen Seite steht der Mensch, der sich auf Jesus einlässt und immer tiefer begreift, wer dieser Jesus ist. So wächst die Gemeinschaft zwischen Jesus und uns Christen, eine Gemeinschaft, die geprägt ist von Nähe und Distanz, weil Jesus trotz aller Nähe auch der Unverfügbare, der Unbegreifliche bleibt.   Siegfried Modenbach

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