Emmaus

Predigtgedanken zum Ostermontag

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Emmaus

Die Geschichte der beiden so genannten „Emmaus-Jünger“ gibt den Zustand der kleinen Christengemeinde von Jerusalem nach dem gewaltsamen Tod Jesu treffend wieder. Letztlich überrascht über das Vorgefallene und verständnislos, dass so etwas passieren konnte, gehen zwei Jünger weg von Jerusalem und wollen in ein Dorf namens Emmaus gelangen. Dieses Dorf lag etwa 13 km von Jerusalem weg und galt in der Zeit Jesu als unbedeutender Ort. Was die beiden dort zu tun beabsichtigten, bleibt uns verborgen. Wir wissen aber, dass sie sich miteinander über die turbulenten Ereignisse in Jerusalem austauschten, und zwar so intensiv und konzentriert, dass sie nicht einmal merkten, dass plötzlich ein Dritter mit ihnen ging. Dieser Dritte – es ist Jesus selber, der Auferstandene – tut so, als wüsste er von allem nichts. Er fragt sie ganz erstaunt: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Die beiden Jünger sind ganz verwundert über diese Frage. Kléopas – so heißt der eine – fragt zurück: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist? Als einziger – offensichtlich ist die Kreuzigung Jesu ein Ereignis gewesen, das allen Leuten in der Stadt zu Ohren gekommen ist! Aber Jesus tut noch einmal so, als wüsste er von allem nichts: Was denn?, fragt er. Da versuchen die beiden, in kurzen Worten zu erklären, was mit Jesus in Jerusalem geschehen war. Dabei kommt zum Ausdruck, dass der Bericht der Frauen vom leeren Grab die Jünger in große Aufregung versetzt hatte. Haben die Jünger wirklich gemeint, der Leichnam Jesu sei gestohlen worden, weil weder die Frauen noch die hingeeilten Jünger ihn fanden? Aus den Erklärungen der Jünger kommt große Perplexität zum Ausdruck.   Jesus übernimmt die Initiative Das fiel auch Jesus auf, und er übernimmt die Initiative: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? Und dann beginnt er, den Jüngern das Alte Testament zu entschlüsseln. Ausgehend von Mose und allen Propheten, erklärt er ihnen genau, was alles in der Heiligen Schrift über ihn geschrieben steht. Was steht denn dort? Kennen wir die Schrift genügend, um zu wissen, wie viel darin über Jesus geschrieben steht? Mose, der das Volk Gottes aus der Sklaverei in Ägypten in die Freiheit geführt hat, dürfte vielleicht als »Knecht Gottes« ein Vorausbild für den Erlöser Christus sein, der durch seinen Tod am Kreuz die Menschen von der Sklaverei der Sünde, des Todes und des Teufels befreite. Und bei den Propheten, v.a. bei Jesaja, wird wiederholt berichtet, dass der zukünftige Knecht Gottes von Gott durch Leiden verherrlicht werden wird. Besonders eindrücklich sind dazu die vier so genannten „Lieder des Gottesknechtes“, die ziemlich genau das schildern, was Jesus, der wahre Messias und Gottesknecht, Jahrhunderte später erleiden wird (vgl. Jes 42,1-4; 49,1-6; 50,4-9; 52,13 – 53,12). Die Erklärungen Jesu müssen sich ziemlich lange hingezogen haben, denn schon waren sie am Ziel. Jesus wollte weitergehen, doch die Jünger drängten den Fremden mit ergreifenden Worten zum Bleiben: Bleib doch bei uns! Ja, bleib bei uns, Herr Jesus, und verlass uns nie mehr! Deine Gegenwart tut uns so gut! Obwohl sie noch nicht wissen, dass es Jesus ist, zeigen sie Gastfreundschaft – und werden in unerwarteter Weise beschenkt und zu Gästen dessen, den sie gedrängt haben zum Bleiben. Denn Jesus bleibt, ja er zeigt erneut auf, dass er immer bei uns ist bis zu seiner Wiederkehr am Ende der Zeit durch das Geheimnis der Eucharistie. Er geht hinein und feiert mit den Jüngern ein Mahl – so wie er es vor seinem Leiden mit den Aposteln im Abendmahlssaal getan hatte. Er nimmt Brot, spricht den Lobpreis, bricht das Brot und gibt es den Emmaus-Jüngern. Und in diesem Moment fällt es wie Schuppen von den Augen der Jünger, und endlich erkennen sie ihn, den Auferstandenen!   Brotbrechen ist eine der möglichen Bezeichnungen für die Feier der heiligen Eucharistie. Im Brechen des Brotes kommt zum Ausdruck, „dass alle, die von dem gebrochenen Brot, von Christus, essen, in Gemeinschaft mit ihm treten und in ihm einen einzigen Leib bilden“ (KKK 1329). In der Geschichte der Emmaus-Jünger finden wir auch die wesentlichen Elemente des Gottesdienstes: Auslegung der Heiligen Schrift, das Brechen des Brotes oder Herrenmahl, die Anwesenheit Jesu, wo zwei oder drei in seinem Namen versammelt sind. So ist Jesus auch heute noch in jeder heiligen Messe gegenwärtig und nährt uns durch seinen Leib. Die Jünger haben Jesus erkannt bei der Feier des eucharistischen Mahles. Sie sagen zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss? Jedem, der Jesus wirklich von Herzen begegnet, brennt das Herz vor Freude, vor Liebe, vor Sehnsucht! Das kann auch heute geschehen, wenn wir Jesus in der Kommunion ganz bewusst in unser Herz und unser Leben einlassen. Vielen fällt es schwer, dass das in momentanen Situation so nicht möglich ist. Vielleicht hilft uns das, wenn die Krise vorbei und der Gottesdienstbesuch wieder möglich ist, neu zu spüren, wie wichtig uns die Eucharistie ist, was sie für unser Leben als Christen bedeutet. Die Jünger wollen das Vorgefallene nicht für sich behalten, sondern machen sich sogleich auf, um nach Jerusalem zurückzukehren – und das bei Dunkelheit, mitten in der Nacht, die durch die Begegnung mit dem Auferstandenen sozusagen zum Tag geworden ist. Doch bevor sie selber erzählen konnten, was sie erlebt hatten, wird ihnen berichtet, dass der Auferstandene dem Oberhaupt der Gemeinde von Jerusalem, Petrus, erschienen ist. Und mit großer Freude und Be-Geist-erung erzählen sie den elf Aposteln und den anderen Jüngern, dass auch sie Jesus gesehen haben und dass sie ihn erkannten, als er mit ihnen das Mahl feierte. Mit diesen Erzählungen über den lebenden Gekreuzigten wird wohl die letzte Enttäuschung bei den ersten Christen gewichen sein. Jetzt glaubten sie definitiv an das Wort des Herrn, dass er nach Leiden und Tod auferstehen wird.  

Thomas Rellstab/Christoph Heinemann

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