Ins Netz gegangen

Eine Vorlage zum Gebet mit Kindern am 3. Sonntag der Osterzeit

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Ins Netz gegangen

Was ist denn ein Netz? Wer kann das beschreiben? Was kennt ihr für Netze? (-) Schon lustig, oder? Viele denken bei Netz sofort an das Internet. Wie man am Computer online geht, das ist für Kinder ein Kinderspiel. Aber ein richtiges Fischernetz haben viele noch nicht gesehen. Im Fernsehen vielleicht oder auf einem Foto. Das ist aber etwas ganz Anderes, als auf einem schaukelnden Fischerboot zu sitzen und zu beobachten, wie ein Fischer sein Netz weiter und weiter ins Meer gleiten lässt. Noch beeindruckender ist es, wenn er dieses Netz dann wieder herauszieht und zahlreiche silberne Fische darin zappeln. Wer einmal am Meer oder an einem See Urlaub macht, der sollte das unbedingt ausprobieren. Auch Kinder dürfen da schon mitfahren. Ihr müsst nur früh genug aufstehen, um einem echten Fischer über die Schulter zu schauen. Netze bestehen aus ineinander verwobenen Stricken. Die Maschen dürfen nicht zu eng sein, damit die kleinen Fische noch hindurchschlüpfen können. Würde man auch diese Fische fangen, gäbe es bald gar keine Fische mehr. Die Maschen dürfen aber auch nicht zu groß sein, sonst kann es passieren, dass der Fischer ein leeres Netz aus dem Wasser zieht. Wenn auch nur an einer Stelle das Netz gerissen ist, wird es wertlos. Fischer reparieren deshalb ihre Netze an Land und prüfen, ob sie überall intakt sind. Ich finde, das ist ein prima Bild für unser Leben. Wir Menschen, unsere Gesellschaft ist wie ein Netz. Dieses Netz besteht nicht aus Maschen oder Stoff, sondern die Menschen selbst bilden Netzwerke, indem sie ihre Beziehungen pflegen. Dort wo Menschen zusammenhalten, sich gegenseitig helfen, entstehen Netze, die wie eine Hängematte den Einzelnen tragen, wenn es ihm einmal nicht so gut geht. Dann spricht man sogar vom sozialen Netz. In vielen armen Ländern müssen Menschen hungern, wenn sie ihre Arbeit verlieren oder krank werden. In Deutschland werden solche Menschen vom sozialen Netz aufgefangen. In der Gesellschaft hilft man sich gegenseitig. Es gibt Arbeitslosengeld und eine Krankenversicherung. Das funktioniert nicht nur im Staat sehr gut, sondern das gilt auch im Kleinen. Je mehr gute Freunde ihr habt, umso stärker werdet ihr aufgefangen, wenn es euch mal nicht so gut geht. Ihr alle kennt das Gefühl, wie tröstlich es ist, wenn die Freunde sich um einen kümmern. Ob bei schlechten Noten oder Liebeskummer, ein funktionierendes Netz von Freunden und in der Familie hilft. Vergleichbar ist das mit einem Trapezkünstler. Weit oben in der Höhe schwingt er am Trapez und mancher kann sogar mehrfache Saltos schlagen, fliegt mühelos durch die Luft. Damit ein kleiner Fehler nicht tödlich endet, gibt es zur Sicherheit immer ein Netz, das den Artisten auffängt. Wie aber können wir solche Netzwerke bilden, die den Einzelnen tragen und auffangen? Wie muss ein solches Netz beschaffen sein? Eigentlich brauchen wir nur zu schauen, worauf es beim richtigen Fischernetz ankommt, dann wird auch unser Menschennetz perfekt sein. Schließlich ging es ja beim Gleichnis von Jesus nicht um Fische, sondern um uns Menschen. Die Maschen dürfen nicht zu eng sein. Auch im Menschennetz sollten die Beziehungen noch Raum lassen. Wenn wir den anderen kontrollieren und einengen, dann wird die Beziehung zur Last und schnürt ein. Die Maschen dürfen nicht zu weit sein. Ein Menschennetz funktioniert nur dann, wenn wir die Nähe zu den anderen suchen und leben. Es ist schon traurig, wenn man manchmal hört, dass in der Stadt gerade ältere Menschen vereinsamen. Hier hat das Netz versagt. Die richtige Maschengröße von Distanz und Nähe zu finden, ist gar nicht so einfach, aber Jesus lebt es uns ja vor. Immer wieder suchte er auch mal die Einsamkeit und Ruhe genauso wie die Menschenmenge, um die er sich liebevoll kümmerte. Das Netz darf nicht zerreißen, und wenn es zerrissen ist, müssen wir es flicken. Streit unter Menschen kommt vor, selbst in den besten Netzwerken. Manchmal zerreißen dadurch Beziehungen, gehen kaputt. Jesus weiß das auch und fordert uns immer wieder auf, die Versöhnung zu suchen. Das kann manchmal mühsam sein, genauso mühsam wie das Flicken eines Fischernetzes, doch es lohnt sich, denn ein Menschennetz hält zusammen, gibt Kraft und schützt uns. Gott ist derjenige, der uns Menschen zusammenhält. Seine Liebe ist das Material, das wir brauchen, um ein solches Netz zu knüpfen. Deshalb feiern wir Gottesdienst, um unser Menschennetz immer fester werden zu lassen.    

FÜRBITTEN  

Gott will, dass wir fest zusammenhalten und uns gegenseitig stützen. Damit uns das gelingt, bitten wir ihn um seine Hilfe:  

  • Steh den Regierenden jener Länder bei, die keine soziale Absicherung ihrer Bewohner kennen. Hilf ihnen, gerechte und soziale Netze aufzubauen, um das Elend zu besiegen.
  • Die unsichtbaren Netze der Liebe können nur dann existieren, wenn jeder Einzelne bereit ist, etwas von sich zu geben. Hilf uns, dass wir auch einmal verzichten können, wenn es dem Gemeinwohl nützt. Hilf uns, den eigenen Egoismus zu überwinden.
  • Hilf den Familien und Freundeskreisen, ihre Beziehungen eng und doch offen zu gestalten, damit jeder genügend Freiräume, aber auch genug Halt darin finden kann.
  • Das Menschennetz zerreißt auch mit dem Tode nicht. Nimm unsere Verstorbenen auf in dein ewiges Reich.

  Du bist die Liebe. Dir sei Lob und Ehre in Ewigkeit.      

Michael Roos

       

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