Was die Welt im innersten zusammenhält

Predigtgedanken zum 2. Ostersonntag

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Was die Welt im innersten zusammenhält

Goethes Faust wollte erkennen, was die Welt im Innersten zusammenhält, und fand keine Antwort. Ist es für uns im sturmgeplagten Schiff der Kirche nicht auch eine spannende Frage, was uns als Gemeinde trägt und im Wechselbad der Geschichte am Leben erhält? – Die Apostelgeschichte, aus der wir heute einen Abschnitt gehört haben, erzählt davon, wie die Urgemeinde in Jerusalem gelebt hat, was ihr wichtig war, was sie ausstrahlte und was schließlich an ihr so fasziniert hat, dass sie wachsen konnte. Überraschend dabei ist, dass die Schilderung der ersten Zeit so glatt und unkompliziert daherkommt, als wenn alles eitel Sonnenschein gewesen wäre. Schon damals gab es doch Sympathische und Unsympathische, gut und schlecht Gelaunte und als Folge von solchen Unterschieden hatte man ganz bestimmt auch in der Urgemeinde mit Kritik und Streit zu kämpfen, war Schlichtung und Besänftigung bisweilen von Nöten. Es will uns doch wohl niemand weismachen, dass die Urgemeinde eine Insel der Seligen war, der Himmel auf Erden, Schlaraffia, frei von Konflikten. Gott sei Dank wird in der Apostelgeschichte und damit auch in der Heiligen Schrift von Missverständnissen und Streitereien, sogar unter den Aposteln selbst, berichtet. Es ging also bei aller Vorbildlichkeit im Jerusalem der Anfangszeit durchaus menschlich zu. – Im vorliegenden Abschnitt wird allerdings der besondere Akzent auf das gelegt, was in der Urgemeinde wichtig war. Und das wird in der Absicht geschildert, die grundlegenden Fakten, die Eckdaten, ja das Wesentliche zu schildern, damit sich kommende Generationen – so auch wir heute – daran orientieren können. Noch bevor es ein Apostolisches Glaubensbekenntnis gegeben hat, war die Lehre der Apostel, das Bekenntnis der Augenzeugen des Auferstandenen, wichtig. Dieses Festhalten am Überlieferungsgut prägte die Gemeinschaft und fügte sie immer wieder zusammen. Die Gemeinschaft versammelte sich zum „Brechen des Brotes“, also zur Feier der Eucharistie zum Gedächtnis des Herrn, getreu seinem Auftrag, und zum Gebet, dem Herrengebet, dem Vaterunser, aber auch zu dem Gebetsschatz, der sich in der geisterfüllten Urgemeinde entwickelte und die Zusammenkünfte prägte. Furcht und Ehrfurcht erfüllte die Urgemeinde angesichts der Wunder und Zeichen, die die Apostel wirkten und die sicher fest zum Erzählkanon innerhalb der Urgemeinde gehörten. Hinzu kam die Gütergemeinschaft, zu der jeder einzelne beitrug, was er konnte, und von der alle nach ihren Bedürfnissen versorgt wurden. Einmütig (!) verharrten sie im Tempel, feierten in ihren Hauskirchen das Herrenmahl und aßen miteinander in der Freude und Einfalt des Herzens. Sie lobten Gott und waren bei den anderen beliebt, von denen immer mehr hinzukamen. – Wäre das nicht toll, wenn wir uns daran heute wieder mehr orientieren würden?

Robert Jauch

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