Euer Herz sei ohne Angst

Predigtgedanken zum 5. Ostersonntag

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Euer Herz sei ohne Angst

Alle Menschen haben Angst. Selbst diejenigen, die uns vielleicht besonders mutig erscheinen, Extremsportler, Soldaten oder Polizisten, berichten, dass Angst für sie dazu gehört. Alle Menschen haben Angst, aber jeder anders. Das Wort Angst kommt aus dem Lateinischen „angustia“ und heißt: Enge, Beengung, Bedrängnis. Angst wächst dort, wo es eng wird, wo Weite fehlt, dort, wo Begrenzungen spürbar werden.

Man sagt, es gäbe vier Grundformen der Angst: Angst vor der Selbsthingabe, Angst vor der Selbstwerdung, Angst vor der Wandlung, Angst vor der Notwendigkeit. Eigentlich läuft alles darauf hinaus, dass Vertrauen fehlt, dass Vertrauen gar nicht hat wachsen können oder dass Vertrauen zerbrochen ist.

Wer nicht vertraut, kann sich selbst nicht loslassen, kann überhaupt nichts loslassen. Wer nicht vertraut, wird sich selbst nicht finden, wird nie zum befreienden Ja seiner selbst finden. Wer nicht vertraut, wird in seinem Leben alles so lassen wollen, wie es ist, der häutet sich nicht, weil er der neuen Haut, die wachsen will, nicht traut. Er klammert sich an die Fetzen seiner alten Haut, und die neue kann nicht atmen. Wer nicht vertraut, wird unfähig, in die Wirklichkeit seines Lebens hineinzugehen. Er wird zeit seines Lebens im Geisterhaus seiner Träume hausen, aber keinen von ihnen verwirklichen.

Jesus will die seinen vor solch lähmender Angst bewahren, wenn er sagt: „Euer Herz sei ohne Angst. Glaubt an Gott und glaubt an mich“ (Joh 14,1).

Was heißt in diesem Zusammenhang an Gott glauben, an Jesus glauben? Papst Johannes Paul I., schrieb einmal dazu: „Wenn ich mich Gott anvertraue, rechne ich damit, dass er in mein Leben eingreifen, es lenken und verändern kann.“

An Gott, an Jesus glauben heißt, sich greifen zu lassen. Ein Glaubender ist ein von Gott Ergriffener. Glauben zeigt sich nicht darin, dass ich möglichst viel mache, sondern dass ich zulasse, dass möglichst viel mit mir gemacht wird. Glauben bedeutet, dass ich mich von Gott beschenken lasse, dass ich zulasse, ein von ihm Beschenkter, eine Beschenkte zu sein. Dabei geht es natürlich nicht um weltliche, materielle Dinge. Als glaubender Menschen lasse ich mir Sinn schenken, lasse ich mir den Weg zeigen. Gott schenkt nichts Überflüssiges oder Unnützes, er schenkt Veränderungsbereitschaft, Vergebung, Frieden und Geborgenheit.

Sich von Gott greifen und führen lassen, an ihn glauben, heißt vor allem ihm glauben und vertrauen, dass er es gut mit mir meint. Wer so glaubt, ist bereit, sich von Gott führen zu lassen, und hat keine Angst.

Viele Erzählungen über die Heiligen berichten von diesem Vertrauen in Gott, und auch heute gibt es Menschen, die aus dem Glauben heraus leben, als ob sie überhaupt keine Ängste kennen würden. Menschen, die vertrauen können und die verstanden haben, was es heißt, wenn Jesus uns sagt: „Euer Herz sei ohne Angst. Glaubt an Gott und glaubt an mich.“

Christoph Heinemann

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