Was bleibt?

Abschied nehmen muss man immer wieder: Sei es am Ende eines Lebensabschnitts, wegen eines Umzugs, oder eines Wechsels im Beruf. Manchmal bleibt dann mehr, als nur der sporadische Kontakt und ein Abschiedsgeschenk…

Aus den Augen, aus dem Sinn – so sagt man über Dinge, aber auch über Menschen. Ein Abschied fällt meistens schwer. Nicht nur, weil der persönliche Kontakt zum anderen fehlt, sondern wahrscheinlich auch, weil die Angst da ist, dass das Sprichwort sich bewahrheitet.

Heute ist es leicht, über WhatsApp und Messenger, sogar über Videoanrufe Kontakt zu halten. Und doch gelingt es nicht immer. Selbst, wer mit vielen anderen in Kontakt ist und bleibt, verliert hin und wieder einen Menschen aus dem Blick.

Ein erneuter Abschied

In dieser Woche liegt der Feiertag Christi Himmelfahrt. Jesus nimmt Abschied von seinen Freunden. Es ist klar, dass sie ihn nun nicht mehr so leicht und oft sehen werden, sich nicht mehr mit ihm unterhalten oder von ihm lernen können. Kein Wunder, dass es in der Bibel heißt, dass einige von ihnen Zweifel hatten. Gerade erst haben sie die turbulenten Tage seiner Kreuzigung hinter sich gelassen. Unglaublich groß muss nach Ostern die Freude über das Wiedersehen mit dem Auferstandenen gewesen sein. Und jetzt lässt er sie doch wieder allein?

Eine Erinnerung hinterlassen

Wer umzieht und seinen Lebensmittelpunkt an einen anderen Ort verlegt, der weiß, dass er die Menschen, die ihm an seinem bisherigen Wohnort wichtig waren, nicht mehr so häufig sehen wird. Und manche verliert man tatsächlich ganz aus dem Blick. Meistens versucht man schon beim Abschied etwas zu tun, was dem entgegenwirkt. Ein persönliches Geschenk, beispielsweise, soll den anderen an mich erinnern. Und natürlich ist es wichtig, dass der andere weiß, mit welchem Messenger er mich erreichen kann.

Einen Auftrag hinterlassen

Jesus gestaltet den Abschied von seinen Freunden etwas anders. Ob er ihnen wohl seinen Kontakt auf WhatsApp gegeben hätte, wenn es damals möglich gewesen wäre? Aber er hinterlässt auch kein Geschenk und kein Denkmal, das an ihn erinnert. Vielleicht hat es seine Jünger überrascht, vielleicht kannten sie ihn auch gut genug, um mit so etwas zu rechnen. Jesus schickt sie in die Welt. Nicht nur ein bisschen. Bis an die Grenzen der Erde sollen sie gehen. Natürlich mit einem Auftrag: von ihm und seiner Botschaft sollen sie sprechen und andere Menschen ebenfalls zu seinen Jüngern machen. Ihm war wohl klar, dass es jetzt genau darauf ankommt: dass seine Jünger das umsetzen, was er ihnen seit Jahren vorlebt und wovon er immer wieder spricht. Die Botschaft Jesu hat das Potential, die Welt zu verändern, wenn Menschen sie ernst nehmen und wenn sie sich ausbreitet, weil sie Menschen sagt, dass sie wertvoll sind, geliebt und niemals allein. Gott ist nah, im Glück und in der Freude genauso wie in der Not und im Zweifel.

In manch einem Abschied steckt auch heute genau das. Wenn ein Mensch mich sehr geprägt hat, dann liegt es sehr nahe, dass ich versuche, das weiter zu geben, was ich in dieser Beziehung selbst an Gutem erlebt habe. Dann wird die Zuwendung, das Vertrauen, die Fröhlichkeit des Anderen zum Maßstab für mein eigenes Verhalten.

Abschied ist auch Anfang

Die Botschaft Jesu kann auch heute noch die Welt verändern, wenn sie zum Maßstab für unser Verhalten wird. Jesus hat sich von seinen Freunden verabschiedet, aber er hat sie nicht allein gelassen. Die Kraft des Heiligen Geistes verspricht er ihnen – und uns. Abschied ist eben nicht einfach Ende, sondern Anfang, weil er dazu ermutigen kann, etwas in der Welt zu verändern.

Autor und Sprecher: Jens Watteroth OMI

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