Wie könnten wir Gott im Regen stehen lassen

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Die Geschichte, die Jesus erzählt, können wir gut nachvollziehen. Denn wahrscheinlich hat jeder und jede von uns schon etwas Ähnliches erlebt! Zum Beispiel: Ihr solltet zu Hause helfen und hattet keine Lust. Später habt ihr es euch überlegt und habt doch den Müll heruntergetragen. Oder auch anders herum – ihr habt zugesagt: Ja, auf dem Weg von der Schule nach Hause gehe ich noch beim Bäcker vorbei! Aber dann habt ihr es vergessen, weil es spannender war, die Zeit mit eurem Freund oder eurer Freundin zu verbringen.

Es gibt eine Geschichte, die sehr gut zu dem Gleichnis Jesu passt. Sie geht auf einen berühmten Dichter zurück, Leo Tolstoi. Die Geschichte geht so: Einmal holten drei Frauen Wasser vom Brunnen. Sie erzählten einander von ihren Söhnen. Ein alter Mann hörte ihnen zu. Die erste lobte ihren Sohn, weil er, wie sie meinte, geschickter sei als alle anderen Jungen. Die zweite schwärmte davon, dass ihr Sohn wunderbar singen könne. Nur die dritte sagte nichts. Warum lobst du deinen Sohn nicht?, fragten die anderen. Ach, antwortete die Frau, mein Sohn hat keine besonderen Talente. Die Frauen schöpften Wasser und trugen die Eimer nach Hause. Der alte Mann folgte ihnen. Je länger der Weg dauerte, desto schwerer erschien die Last den Frauen. Da kamen ihnen drei Jungen entgegen. Der erste stellte sich auf die Hände und schlug ein Rad. Die Frauen klatschten Beifall. Der zweite sang herrlich wie eine Nachtigall. Die Frauen waren tief beeindruckt. Der dritte lief zu seiner Mutter – das war die Frau, die nichts Besonderes über ihren Sohn hatte berichten können – und nahm ihr den schweren Eimer ab. Die Frauen bemerkten nun den alten Mann und fragten ihn: Was sagst du zu unseren Söhnen? Da erwiderte er: Welche Söhne? Ich sehe nur einen einzigen Sohn!

Was meint ihr zu dieser Geschichte? Was bedeutet wohl die Antwort des alten Mannes „Ich sehe nur einen einzigen Sohn“? (Kinder einbeziehen) Die beiden ersten Jungen, der sportlich Begabte und der Sänger, haben sich nicht so verhalten, wie sich ein Sohn seiner Mutter gegenüber verhalten sollte. Oder? Ja, woran erkennt man denn einen „guten Sohn“ oder eine „gute Tochter“? (Kinder einbeziehen) Ihr meint, Kinder sollten ihren Eltern helfen und sich nicht nur bedienen lassen? Denkt auch an das Gleichnis, das Jesus erzählt hat. Da stellt sich der eine Sohn bockig an: Der Vater hat ihn gebeten, im Weinberg mitzuhelfen, aber er sagt: „Ich will nicht.“ Meint ihr, dass der Vater sich darüber gefreut hat oder dass es ihm egal war? Er war gewiss verärgert über den Jungen. Der zweite Sohn erklärt sich sofort bereit zu gehen. Man könnte jetzt denken: Schleimer, Musterknabe! Aber er löst sein Versprechen nicht ein. Sicher ist der Vater enttäuscht. Da entdeckt er, dass der erste Sohn, der scheinbar faule, längst im Weinberg arbeitet! Wenn wir die Jungen, von denen wir heute gehört haben – die beiden Söhne im Gleichnis und die Söhne der drei Frauen aus der russischen Geschichte – beurteilen müssten, dann würden wir sicher sagen: Der Sohn, der zuerst nicht helfen wollte und sich dann doch besonnen hat, und der Sohn, der seiner Mutter die Last abnahm – diese beiden haben sich richtig verhalten; sie waren aufmerksam, haben Vater und Mutter nicht im Stich gelassen. Es kommt nicht darauf an, ob einer große Worte macht oder eine tolle Schau abzieht. Den Worten müssen Taten folgen! Von dem „Ja, ja“ des zweiten Sohnes hat der Vater nichts. Und auch die beiden Mütter haben nichts von den akrobatischen und musikalischen Darbietungen ihrer Söhne.

Gott will, dass wir mitbauen an seiner neuen Welt. Nun frage ich andersherum: Woran erkennt man denn einen „guten Vater“ und eine „gute Mutter“? Wie sollten sich Eltern ihren Kindern gegenüber verhalten? (Kinder einbeziehen) Sicher sollen sie nicht alles, was die Kinder tun, gutheißen oder sogar vor anderen Leuten damit angeben! Auch sollen sie sich nicht von ihren Kindern auf der Nase herumtanzen lassen. Oder glaubt ihr, dass der Vater im Gleichnis den zweiten Sohn für seine Unzuverlässigkeit auch noch gelobt hat? Wohl kaum. Dass er aber dem anderen Sohn gezeigt hat, wie sehr er sich über sein Handeln freute, das wollen wir hoffen!

Jesus hat das Gleichnis den Priestern und Ältesten erzählt, die sich viel auf ihre Frömmigkeit einbildeten. Sie behaupteten, der Wille Gottes sei das Wichtigste für sie. Doch oft hatten sie nur ihren Vorteil im Sinn und sorgten nicht für die Menschen, die Hilfe nötig hatten. Auf weniger fromme Leute, die sogenannten Sünder, schauten sie herab. Doch das, sagt Jesus immer wieder, entspricht nicht dem Willen Gottes: Gott möchte, dass wir, seine Kinder, wie Schwestern und Brüder aufeinander achten. Und manchmal sind die „Sünder“ diejenigen, die Gott am Ende besser verstehen, die umkehren und seinen Willen tun. Ein guter Vater erteilt nicht nur Befehle. Auch Gott stellt nicht nur Gebote auf; ihm liegt das Wohlergehen seiner Kinder am Herzen. Einmal sagt Jesus: „Euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet“ (Mt 6,8). Wie könnten wir ihn dann im Regen stehen lassen? Er will, dass wir ihm helfen, Licht in die Welt zu bringen, dass wir mitarbeiten in seinem „Weinberg“. Der Weinberg ist ein Bild für die neue Welt Gottes, das „Reich Gottes“, das mit Jesus schon angebrochen, aber noch nicht vollendet ist. Wie die beiden Söhne sollen wir mithelfen, das „Reich Gottes“ aufzubauen. Wie wollen wir uns entscheiden?

Petra Gaidetzka

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