Das größte Zeichen


Besonders hoch, besonders groß, besonders – wichtig? Wer eine wichtige Nachricht zu verbreiten hat, der sorgt dafür, dass alle sie gut sehen können. So ist es auch bei der wichtigsten Botschaft für uns Christen: Jesus musste erhöht werden – am Kreuz sterben – damit wir erkennen, welche große Botschaft in seinem Tod steckt.

 Mal wieder auf der Autobahn. Mit 130 Sachen über den Asphalt. Alle paar Kilometer eine Raststätte, die nächste Ausfahrt und die Schilder, die jeder kennt: blau mit weißer Schrift. Schriftgröße 35 – in Zentimetern, nicht in Pixel, so groß können die Buchstaben darauf sein. Die riesen Schriftzeichen sind nötig, um die Schilder aus großer Entfernung und bei hoher Geschwindigkeit lesen zu können. Damit man etwas von weitem gut sehen kann, muss es groß und hoch genug sein. Bei Gebäuden symbolisiert die Höhe oft die Bedeutung. In Rom darf kein Gebäude den Petersdom überragen. In den Skylines von Finanzmetropolen unterstreichen Geldinstitute ihre Bedeutung durch die höchsten Wolkenkratzer. Und selbst in der virtuellen Welt ist am wichtigsten, wer bei den Suchmaschinen ganz oben steht.

Sichtbare Zeichen – damals wie heute

Das Buch Numeri erzählt, wie das Volk Israel bei seiner Wanderung durch die Wüste von Giftschlangen befallen wird. Mose formt daraufhin eine Schlange aus Kupfer. Jeder der sie nach einem Biss anblickte, überlebt. Es war also wichtig, dass man die Kupferschlange gut sehen konnte. Also hängte Mose sie an eine Stange. Und dieses Symbol kennen wir bis heute: Die Schlange an der Stange ist das Symbol für Medizin und Pharmazie und an vielen Apotheken zu sehen.

Auch von Jesus heißt es in der Bibel, dass er erhöht werden musste, damit die Menschen vom Unglauben geheilt werden und das ewige Leben erlangen. Der Evangelist Johannes vergleicht die beiden Geschichten sogar, wenn er schreibt: Wie Mose die Schlange in der Wüste erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden. – Mit der Erhöhung meint er den Tod am Kreuz.

Der Tod am Kreuz – das bedeutsamste Zeichen

Es soll wohl eine Antwort auf die Frage sein, warum denn Jesus sterben musste und warum ausgerechnet an einem Kreuz. Damit man ihn besser sehen kann? Ein Tod am Kreuz bedeutet nicht nur unsägliche Qualen. Gerade weil man ihn besser sehen konnte – dazu so gut wie nackt -, war es zutiefst demütigend und schmachvoll.

Es fällt einfach schwer, dem Kreuz an sich etwas Gutes und Schönes abzugewinnen. Aber genau darin besteht die Herausforderung im Christentum: Wir sollen im Kreuz – dem Symbol für Leid, Tod und Niederlage – das Heil, das ewige Leben und den Sieg Christi aufstrahlen sehen. Wenn es keine größere Liebe gibt, als wenn einer sein Leben für seine Freunde hingibt; und wenn Gott alle Menschen zum Glauben an seine Liebe führen will; und wenn es damals keine grausamere Art gab, getötet zu werden, dann musste Jesus am Kreuz sterben. Denn auf diese Weise zeigt sich die größtmögliche Liebe am deutlichsten – die Botschaft vom Tod Jesu am Kreuz ist für uns eine wirklich frohe Botschaft. In der Sprache der Liebe gibt es nichts Größeres als das Opfer des Wertvollsten – das eigene Leben. Gottes Liebe ist unendlich. Was Jesus am Kreuz tat, ist die einzige angemessene Art, uns das zu zeigen. Es ist so unerhört und unbegreiflich, dass wir nicht darüber wegsehen können.

Liebe als Zeichen der Christen

Echte Liebe gibt alles für den anderen. Echte Christen erkennt man an dieser Liebe. Liebe ist mehr als ein Gefühl. Liebe ist Entscheidung. Christliche Eheleute versprechen: Ich will ihn, ich will sie lieben. Der Zölibat ist eine Entscheidung aus Liebe nicht gegen die Liebe. Als Mitmensch in jeder Situation – die Bibel nennt das Nächster sein – müssen wir uns für die Liebe entscheiden. Wie echt und wie ernst ist es uns damit?

Wer von sich sagt: Ich bin Christ!, meint damit auch: Ich will immer lieben, alles geben, mich ganz hingeben, jederzeit und jedem! Das muss man erst mal wollen. Wer es gerne wollen will, spricht das mal laut aus, mehrmals und am besten vor anderen. Ich will immer lieben, alles geben, mich ganz hingeben, jederzeit und jedem! Das ist die Herausforderung für diese Woche.

 

Autor und Sprecher: Pater Norbert Wilczek

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