Familienkreuzweg am Karfreitag – 2. April 2021

Den Familienkreutzweg gibt es hier zum Download: PDF-Datei herunterladen

Hier gibt es das Ausmalbild zum Download: PDF-Datei herunterladen

Vorüberlegungen

Es wäre ideal den Kreuzweg im Freien zu gehen. Die Stationen können mit Symbolen dargestellt werden, das gilt natürlich auch wenn man in der Wohnung betet.

Als Symbole werden bereitgehalten: eine Schüssel mit Wasser, das Kreuz, ein Seil (z.B. eine Juteschnur), ein Tuch, ein Würfel, ein grüner Zweig, ein aus buntem Tonpapier gebastelter Schmetterling oder alternativ das beigefügte Ausmalbild. An der Station angekommen wird das betreffende Symbol abgelegt, dass alle es sehen können).

Die Texte sind aufgeteilt zwischen Vorbeter/Vorbeterin (V) und Lektor/Lektorin (L), diesen Part kann auch ein älteres Kind lesen.

 

Einführung

Eröffnung

V: Das Kreuz ist ein Symbol, das wir ganz oft in unserem Alltag sehen: Es ist Wandschmuck in vielen Räumen, wir finden es ich Kirchen, an bestimmten Plätzen in unseren Orten, an Straßen, auf Bergen oder auch als Schmuckstück. Wenn wir beten, dann beginnen wir oft mit dem Kreuzzeichen. Wir berühren Stirn, Brust und beide Schultern. So segnen wir uns selbst mit dem Kreuz. Denn das Kreuz – es erinnert uns an den Tod Jesu – ist für uns Christen ganz wichtig. Es verbindet uns mit Jesus und mit dem, was er für uns getan hat.

So wollen wir auch diese Feier am Karfreitag beginnen: + Im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.

A: Amen.

V: Wir werden nun mit dem Kreuz dem Weg nachspüren, den Jesus gegangen ist. Es war ein schwerer Weg. Auch heute noch müssen Menschen solche schweren Wege gehen, wenn sie krank und einsam sind, wenn sie Krieg und Armut erleiden, wenn sie im Gefängnis sind. In ihnen leidet Jesus weiter. An alle diese Menschen wollen wir heute denken und für sie beten.

Gebet

V: Jesus, wir wollen dir auf deinem Kreuzweg folgen.

Wir wollen das Leid bedenken, das du getragen hast

und das vielfältige Leid der Menschen heute.

Geh mit uns am heutigen Tag

und auf allen Wegen unseres Lebens.

Hilf uns, dass wir die Botschaft vom Kreuz,

von deinem Sterben und deiner Auferweckung zum Leben,

immer tiefer verstehen.

A: Amen.

 

1. STATION: JESUS WIRD ZUM TOD VERURTEILT

Symbol: Schüssel mit Wasser

L: Soldaten haben Jesus festgenommen. Er wird dem Richter vorgeführt. Der Richter ist ein hoher römischer Beamter und heißt Pilatus. Wichtige Männer haben Jesus angezeigt. Sie fühlen sich von ihm gestört und kritisiert. Deshalb muss Jesus zum Schweigen gebracht werden! Pilatus fürchtet sich vor diesen mächtigen Männern. Die Volksmenge schreit: „Ans Kreuz mit Jesus!“ Pilatus tut, was die Leute von ihm verlangen, weil er Angst hat. Die Schuld schiebt er den Männern zu, die Jesus bei ihm verklagt haben. Deshalb wäscht er öffentlich seine Hände – damit will er ein Zeichen setzen, dass er mit der Sache eigentlich nichts zu tun hat. In Wirklichkeit ist Pilatus schwach und feige. Er kann den Druck der Volksmenge nicht aushalten. Deshalb verurteilt er Jesus zum Tod am Kreuz.

V: Aber Pilatus will keine Verantwortung übernehmen für das, was er tut. So machen wir es auch oft: „Der hat mich überredet – ich wollte ja eigentlich gar nicht!“ Manchmal ist es sehr mutig Widerstand zu leisten. Aber müsste man nicht widerstehen, wenn irgendwo Unrecht geschieht? Und das Urteil über Jesus war ungerecht! Er hatte nichts Schlimmes getan.

Gebet

V: Jesus, wir bitten dich für alle Menschen, die Gewalt erleiden

und unschuldig verurteilt werden- irgendwo auf der Welt.

Gib ihnen Kraft und führe sie in die Freiheit.

A: Amen.

 

2. STATION: JESUS NIMMT DAS KREUZ AUF SEINE SCHULTERN

Symbol: Kreuz

L: Jetzt führen die Soldaten Jesus zu dem Ort, wo er sterben soll. Es ist ein Hügel, der „Schädelhöhe“ genannt wird. Jesus trägt sein Kreuz selbst. Es ist sehr schwer. Die Soldaten treiben Jesus an. Und viele Menschen stehen am Weg und schauen zu. Manche lachen, andere sind entsetzt und haben Mitleid mit Jesus.

V: Manchmal sagen wir über einen Menschen, den ein schlimmes Schicksal getroffen hat: „Der trägt ein schweres Kreuz.“ Mit dem „Kreuz“ meinen wir den Kummer, der diesen Menschen bedrückt. „Kreuz“ steht für Schmerzen und Not. Als er mit seinen Freunden zum Paschafest nach Jerusalem ging, ahnte Jesus schon, was auf ihn zukommen würde; er hatte oft mit den Jüngern darüber gesprochen. Er wusste, dass manche Leute ihn aus dem Weg haben wollten. Aber er versteckte sich nicht. Er hielt auch nicht den Mund, um dem Kreuz zu entgehen. Nein: Er redete weiter vom Willen Gottes, von der Liebe, die das Leben der Menschen bestimmen soll, von Barmherzigkeit und Gerechtigkeit. Er wusste, dass er viel riskierte. Aber die Wahrheit war ihm wichtiger als sein Leben.

Gebet

V: Jesus, wir würden dir gern helfen, dein Kreuz zu tragen.

Es drückt hart und schwer auf deine Schultern.

Sicher hast du Angst vor den Schmerzen, die dich erwarten, und vor dem Tod.

Viele Menschen auf der Welt haben Angst, viele haben Schmerzen, viele sind allein.

Für sie alle wollen wir bitten:

Lass sie spüren, dass du ihr Freund bist, weil du weißt, wie sich Leiden anfühlt.

A: Amen.

 

3. STATION: JESUS FÄLLT UNTER DEM KREUZ

Symbol: Strick

L: Das Kreuz ist zu schwer. Seine Last drückt Jesus zu Boden. Insgesamt dreimal fällt er hin, jedes Mal wird es ihm schwerer, wieder aufzustehen. Er würde sich gern ausruhen, um neue Kraft zu schöpfen, aber die Soldaten zerren ihn weiter. Wann wird der Weg endlich ein Ende nehmen?

V: Wenn es einem Menschen ganz schlecht geht, sagen wir: „Der liegt am Boden, der steht so schnell nicht wieder auf.“ So einer braucht helfende Hände, damit er wieder hochkommt. Stattdessen ziehen die Soldaten Jesus brutal am Strick auf die Füße. Es gibt viele Menschen, die keine Kraft mehr haben, die allein nicht weiterkönnen und erleben müssen, dass niemand ihnen hilft. Jesus macht ihnen Mut, wieder aufzustehen. Denn er weiß, wie hart es sich anfühlt, wenn man stürzt. Wenn wir auf Menschen treffen, die „ganz unten“ sind, dann wollen wir nicht wegschauen – und sie schon gar nicht verspotten: die Außenseiter, die Ausländer, die Alten, die Obdachlosen, solche, die eine andere Hautfarbe haben oder eine Behinderung.

Gebet

V: Jesus, wir bitten dich für alle Menschen,

die von einer Last niedergedrückt werden

die von Sorgen gequält werden

oder an einer schweren Krankheit leiden,

die arm sind und nicht wissen,

wovon sie am nächsten Tag leben sollen.

Mach ihnen Mut und hilf ihnen, immer wieder aufzustehen.

A: Amen.

 

4. STATION: EINE FRAU REICHT JESUS EIN SCHWEISSTUCH

Symbol: Tuch

L: Jesus schwitzt vor Anstrengung, vor Angst und Schmerzen. Die Dornenkrone hat ihm blutende Wunden beigebracht. Da reicht ihm eine Frau ein Tuch, damit er sich das Gesicht abwischen kann. Sie hat Mitleid mit ihm. Schweiß und Blut haben den Abdruck seines Gesichtes auf das Tuch gezeichnet.

V: Sicher würde Jesus der Frau gern danken. Das lassen die Soldaten nicht zu. Sie ziehen ihn weiter. So schenkt er der Frau das Bild seines Gesichtes, das sich in das Tuch gedrückt hat. Sie wird dieses Tuch wie einen Schatz aufbewahren. Es wird sie immer an Jesus erinnern. Auch wir haben Bilder von Jesus. Es sind keine „Fotografien“, denn damals gab es noch keine Kameras; vielmehr haben Künstler Jesus so abgebildet, wie sie ihn sich vorstellten. Wir wollen diese Bilder häufig anschauen. Wir finden sie hier in der Kirche, in Büchern, in der Bibel … Auch so kommt Jesus uns nahe. Doch nicht nur auf Bildern „sehen“ wir ihn – sondern auch und vor allem in den Menschen, die leiden und traurig sind.

Gebet

V: Jesus, nicht alle Menschen wenden sich ab, wenn es einem anderen schlecht geht.

Gott sei Dank! Diese Frau fühlt mit. Sie möchte Jesus helfen.

Viel kann sie nicht bewirken. Doch das, was sie tut, ist gut und tröstlich.

Öffne unsere Augen, damit wir es bemerken, wenn jemand in Not ist.

Schenke uns ein Herz und Hände, die gern helfen – soweit sie eben helfen können.

A: Amen.

 

5. STATION: JESUS WIRD SEINER KLEIDER BERAUBT

Symbol: Würfel

L: Der Zug ist dort angekommen, wo Jesus gekreuzigt werden soll: auf der Schädelhöhe. Die Soldaten nehmen ihm seine Kleider weg. Jesus ist jetzt ganz hilflos; er hat nichts mehr.

V: Wenn ein Mensch gar nichts mehr besitzt, wenn ihm andere Menschen alles genommen haben, dann sagt man von ihm: „Den haben sie bis aufs Hemd ausgezogen.“ Fast nackt, ist Jesus den Soldaten völlig ausgeliefert. Die Schaulustigen machen ihn verächtlich. Die Soldaten kümmert es nicht, dass er dem Tod schon so nahe ist; sie würfeln aus, wem die Kleider gehören sollen. Es gibt viele Menschen auf der Welt, die von anderen erniedrigt und ausgebeutet werden. Ihnen wird die „Menschenwürde“ genommen, wie man sagt.

Gebet

V: Auch heute noch werden Menschen ihrer Würde beraubt.

Sie werden ausgebeutet, damit andere reich werden.

Sie werden gedemütigt, damit andere sich groß fühlen.

Sie werden übersehen, weil viele gleichgültig sind.

Hilf uns, die Würde unserer Mitmenschen zu achten

und wo es uns möglich ist für sie einzustehen.

A: Amen.

 

6. STATION: JESUS STIRBT AM KREUZ

Symbol: Grüner Zweig

L: Die Soldaten haben Jesus an das Kreuz genagelt. Rechts und links von ihm werden noch zwei Männer gekreuzigt. Es ist qualvoll, am Kreuz zu hängen. Jesus blutet; er hat Schmerzen; er kann nicht mehr gut Atem holen und erstickt. So stirbt Jesus am Kreuz. Die Leute gehen weg, denn es gibt nichts mehr zu sehen. Ein Soldat will ganz sicher sein, dass Jesus tot ist. Er sticht mit einer Lanze in seine Seite; Blut und Wasser fließen heraus. Das bedeutet: Jesus lebt wirklich nicht mehr.

-Stille-

V: Wir hören täglich vom Sterben und vom Tod: Im Fernsehen und in der Zeitung wird darüber berichtet. Menschen sterben durch Unfälle, durch Krieg, Hunger und Naturkatastrophen. Warum muss es den Tod überhaupt geben? Alle Menschen wollen leben; niemand will einen Menschen, den er liebhat, verlieren. Auch Gott will den Tod nicht, sondern das Leben! Deshalb ist Jesu Tod nicht das Ende, sondern ein neuer Anfang. Zum Zeichen dafür schmücken wir das Kreuz mit einem frischen, grünen Zweig. Er steht für das unzerstörbare – wir sagen: das ewige – Leben, das aus dem Tod Jesu neu ersteht. (Der Zweig wird am Kreuz befestigt oder auf das Kreuz gelegt).

Gebet

V: Jesus, wir bitten dich für alle, die einen geliebten Menschen verloren haben.

Wir bitten dich für die Menschen in den Ländern, wo Krieg und Armut herrschen.

Wir bitten dich für die Mütter, die um ihre Kinder weinen.

Schenke ihnen das Vertrauen, dass ihr Leid bei Gott aufgehoben ist.

A: Amen.

 

7. STATION: DER LEICHNAM JESU WIRD INS GRAB GELEGT

Symbol Schmetterling

L: Der tote Leib Jesu wird nun ins Grab gelegt. Zurzeit Jesu wurden die Toten in Höhlen beigesetzt. Der Leib wurde gesalbt und in Leinenbinden gewickelt. Die Grabhöhle verschloss man mit einem Stein. Auf dem Bild sehen wir, dass Wächter das Grab Jesu bewachen.

V: Was Sterben und Auferstehen wirklich bedeuten, das können wir uns jetzt noch gar nicht vorstellen. Die Raupe, die sich zum Schmetterling wandelt, kann ein Gleichnis dafür sein. Die Raupe bewegt sich nur kriechend fort, sie frisst den ganzen Tag, sie kann nicht fliegen und sieht nicht viel von der Welt. Und eines Tages ist ihr Raupenleben zu Ende. Ist es dann aus mit der Raupe? Nein, sie verpuppt sich, sie spinnt sich in einen Kokon ein, wie man sagt – und in diesem engen Gefängnis findet die Verwandlung statt, die ein großes Wunder ist: Aus der unansehnlichen Raupe wird ein herrlicher Schmetterling. Wenn er fertig ist, sprengt er sein Gefängnis und fliegt ins Sonnenlicht. Wie es sein wird, wenn wir im Licht Gottes ankommen, das wissen wir noch nicht. Nur so viel können wir sagen: Es wird hell und warm sein, und es wird keine Angst und keine Schmerzen mehr geben, wenn wir ganz nah bei Gott leben.

Gebet

V: Wir sind den Weg mit dir gegangen, Jesus: Er führte durch Angst, Schmerzen und Erniedrigung in die Dunkelheit des Todes. Den Tod stellen wir uns vor wie eine tiefe, schwarze Schlucht. Aber die Schlucht hat einen Ausgang: Sie öffnet sich zum Licht hin, in das neue Leben bei Gott. Danke, dass du allen Menschen das Tor zum Leben geöffnet hast!

A: Amen.

 

ABSCHLUSS

V: Wir haben Jesus begleitet auf seinem Weg, der in den Tod und zum göttlichen Leben führt. Gott hat Jesus auferweckt, damit seine Liebe immer in der Welt gegenwärtig ist und auch wir einmal mit ihm zum Leben auferstehen. Das Kreuz, das wir mit dem grünen Zweig geschmückt haben, legen wir hier ab. Es ist ein Zeichen unserer Hoffnung, dass das Leben den Tod besiegt hat. Wer mag kann gleich auch noch ein Schmetterlingsbild ausmalen und zum Kreuz legen.

Vielleicht ist nach dem Kreuzweg noch Zeit, dass die Kinder ihre Eindrücke verarbeiten können – zum Beispiel, indem sie das Schmetterlingsbild ausmalen oder selber einen zeichnen. Dazu kann leise meditative Musik gespielt werden, zum Beispiel:

Es wäre schön, wenn das Kreuz mit dem Zweig und ggf. die Bilder bis Ostern an einem festen Platz liegen könnten.

 

Petra Gaidetzka / Christoph Heinemann

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