Von der aktiven Untätigkeit


“Dein Wille geschehe” – so beten wir im Vater Unser. Doch was dahinter steckt, ist in unserer durchgeplanten Welt manchmal gar nicht so einfach umzusetzen: Gott machen lassen, die Kontrolle abgeben – damit sich die Dinge fügen können. So, wie aus einem Samen über Nacht eine Pflanze wird.

 

In der Bibel gibt es einige ungewöhnliche Formulierungen und Aufforderungen Gottes. Es gibt Anweisungen und Regeln für das Miteinander – zum Beispiel die Regel der Nächstenliebe.

Wie aber stellt sich Gott unseren Alltag vor? Wie sollen wir leben, als Christen, die das Wort Gottes kennen und weitergeben wollen? Dazu gibt es in der Bibel das Beispiel der „aktiven Untätigkeit“. Was es damit auf sich hat?

Zwischen Erklären und Staunen

Gerade jetzt im Frühling und Frühsommer können wir es überall beobachten: Es wird grün und bunt in der Natur. Die Bäume treiben neue Blätter aus, Blumen blühen wunderbar und viele Pflanzen wachsen und gedeihen. Natürlich kennen wir die biochemischen Prozesse, die eben dazu führen, dass diese Pflanzen wachsen. Aber trotzdem bleibt immer noch ein fragender Rest übrig, der unseren Verstand herausfordert. Wie kann es sein, dass eine Frühblüher-Zwiebel wie eine Tulpe oder ein Krokus mehrere Jahre hintereinander austreibt und wunderschöne Blüten hervorbringt – die, gemessen an der Größe der Blumenzwiebel, auch noch ganz schön groß sind? Wie kann aus einer Samenmischung innerhalb weniger Monate ein dichter Blumenteppich werden? Woher kommt diese Energie?

Genau in dieser bildlichen Sprache der Pflanzenwelt spricht auch Jesus mit uns. Er vergleicht das Reich Gottes mit einem Menschen, der Samen in die Erde sät. Er geht schlafen, steht wieder auf, und ohne sein Zutun geht der Samen auf dem Feld auf und wächst zu einer Pflanze heran. Der Sämann kann nach der Aussaat nichts weiter für seine ausgesäten Samen tun. Er kann gute Bedingungen für diese Samen schaffen, wie zum Beispiel fruchtbare Erde auswählen oder bewässern. Aber dazu, dass diese Samen keimen und wachsen, kann er nichts beitragen. Er kann nur zuschauen und abwarten, dass die Erde von selbst ihre Frucht bringt.

Manches liegt nicht in unserer Hand

Ist das nicht ein interessanter Gedanke? Abwarten und Nichtstun? So oft und so gerne haben wir in unserem Leben doch alles unter Kontrolle. Unser Alltag ist effizient durchstrukturiert, unsere Freizeit folgt einem Plan und führt auch oft genug zu Stress. Wir haben Einkaufs- und Kochpläne und an der Arbeit macht man manchmal lieber alles selbst als Aufgaben an Kolleginnen oder Kollegen abzugeben – nur damit es später den eigenen Vorstellungen entspricht. Wir wissen doch in den meisten Bereichen unseres Lebens ziemlich genau, wie wir uns etwas vorstellen und wünschen. Wir machen Lebenspläne und sind dann ratlos und enttäuscht, wenn alles anders kommt. Genau in diese Situationen spricht Gott hinein: Warte ab und lass mich machen! Lerne, zu vertrauen! Wir sollen, genau wie der Sämann im Gleichnis, in der Nacht schlafen und am Tag aufstehen und darauf vertrauen, dass der Samen, den Gott in unser Leben gesät hat, gut und richtig aufgehen wird. Wir müssen nicht wissen, wie und warum das passiert. Diese „aktive Untätigkeit“ erfordert das Vertrauen in die Kraft des Samens, also das Vertrauen in Gottes Plan für unser Leben. Wir dürfen daher darauf vertrauen, dass das Endergebnis gut wird, auch wenn wir nicht verstehen, wie es dazu kommt. Hört sich einfach an, braucht aber lebenslange Übung!

Dein Wille geschehe

Es lohnt sich, auch im Gebet Gott gegenüber immer wieder offen zu sein und aufs Neue die Führung an Ihn abzugeben. In kleinen Situationen, aber auch in großen Lebensentscheidungen voller Vertrauen und Hoffnung die Zeile aus dem Vaterunser „denn dein Wille geschehe“ zu beten und zu wissen, dass es dann auch gut sein wird, egal was kommt. Wir Christen dürfen nämlich in der Gewissheit leben, dass, wenn wir Ihn darum bitten und in unser Leben einladen, Gottes Liebe und sein Wirken in unserem Leben fruchtbar werden.

 

Autorin und Sprecherin: Teresa Zecchin

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