Auf eine Tasse Kaffee


Mach mal eine Pause. Pausen ermöglichen Ruhe, aber auch Gemeinschaft. Das lesen wir schon im Evangelium. 

Eine schöne Tasse Kaffee gehört für mich einfach dazu. Wie wunderbar, wenn bereits während der Zubereitung der Duft von frischem Kaffee in die Nase steigt. Wenn ich mich dann noch mit dieser Tasse Kaffee draußen in die Sonne setzen kann – ein Traum. Ein Genussmoment mitten im Alltag. Eine solche Tasse Kaffee macht das Leben nicht nur ein bisschen schöner, finde ich, sondern hat auch noch ganz andere Effekte. So hilft sie zum Beispiel, zu entschleunigen.

Mitten im Alltag

Es sind diese kleinen Pausen, die mir oft helfen, durch einen stressigen Tag zu kommen. Wenn ich mich an einer Arbeit festgebissen habe, mit den Gedanken im Kreis drehe und nicht richtig weiterkomme; wenn ich gestresst bin, weil gerade viel los ist; genervt, weil Dinge sich nicht so regeln lassen, wie ich es gerne hätte; oder manchmal einfach nur dann, wenn ich einen wichtigen Meilenstein erreicht habe und mal durchatmen muss: dann ist Zeit für eine solche Tasse Kaffee. Es ist Zeit, die ich mir bewusst nehme, weil ich weiß, dass ich dann ein wenig frischer und produktiver an den nächsten Schritt gehen kann. Klar, freie Tage sind wichtig, Urlaub, in dem ich abschalten kann, ebenso, aber mindestens genauso wichtig sind die Urlaubsaugenblicke während des Tages, auch wenn es nur ein paar Minuten sind. Während so einer Tasse Kaffee kann ich meine Gedanken sortieren oder einfach mal an gar nichts denken und den Blick in die Ferne schweifen lassen oder auch ein kurzes Gebet zum Heiligen Geist schicken.

Wenn Gemeinschaft entsteht

Aber, eine Tasse Kaffee kann noch mehr! Ich habe schon oft erlebt, dass ich bei einer solchen Pause nicht alleine bleibe. Manchmal ergibt es sich, dass sich spontan jemand dazu setzt. Und auch das tut gut. Eine Pause, die ich mit jemand anderem teilen kann, bietet auf andere Weise ein wenig Ablenkung. Mal gibt es ein amüsantes Erlebnis, das man einander erzählen kann und das dann auch den Gesprächspartner etwas aufheitert; mal die Gelegenheit, den eigenen Frust loszuwerden, der gerade auf der Seele liegt; manchmal auch einfach die Erfahrung, nicht allein zu sein, selbst, wenn man gar nicht viel dabei redet. Eine solche Kaffeepause hilft dabei, Gemeinschaft aufzubauen und Miteinander zu erleben. Auch hier mögen es nur ein paar Minuten sein – und doch verändert dieser Moment den ganzen Tag.

Manchmal passiert es auch, dass ich im ersten Augenblick keine Lust auf Gesellschaft habe, weil ich mich auf eine Pause alleine gefreut hatte – oft war ich dann hinterher froh, dass ich mich auf die Begegnung eingelassen habe.

Jesus sieht, wenn die Jünger erschöpft sind

Die Tasse Kaffee mitten im Alltag – was hat das nun mit meinem Glauben zu tun? Sie erinnert mich daran, was im Leben wichtig ist, und noch mehr im Glaubensleben. Jesus macht es vor, das lesen wir im Evangelium. Als seine Jünger erschöpft und ausgelaugt zu ihm kommen, erinnert er sie daran, wie wichtig es ist, auszuruhen, eine Pause zu machen, die Stille zu suchen, weil diese Momente uns helfen aufzutanken und unsere Beziehung zu Gott zu vertiefen. Aber wir lesen auch, dass er trotz der Suche nach Stille und Einsamkeit offen war, für die Menschen, die ihm begegnen wollten. Er baut Gemeinschaft auf, hilft den Menschen zu erleben, wie diese Gemeinschaft stärkt und gibt ihnen ebenfalls das, was sie brauchen, um ihre Seele und ihren Leib zu Kräften kommen zu lassen, indem er ihnen von Gott erzählt und ihnen zu essen gibt.

Mein Tipp für heute: mach mal Pause. Mit einer Tasse Kaffee, einem kühlen Glas Eistee, einem Schokoriegel oder was auch immer dir gut tut. Lass die Gedanken schweifen, oder nimm dir Zeit für ein kurzes Gebet. Und: bleib dabei offen für die Begegnungen, die du nicht geplant hast, die aber ebenso stärken, wie die Zeit alleine – oder: lade einfach mal jemanden ein, die Pausenzeit mit dir zu teilen.

P. Jens Watteroth OMI

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