Für wen hältst Du mich eigentlich?


Unser Leben ist geprägt von Veränderungen. Dazu gehört auch immer die kritische Reflexion. Im Evangelium stellt Jesus dafür eine wichtige Frage.

 

Hand aufs Herz – bei einer unangenehmen Kritik fühlt sich keiner wirklich wohl. Sowohl in der Familie, als auch im Freundeskreis oder auf der Arbeit stoßen wir an unsere Grenzen. Trotz aller Bemühungen kann keiner von sich behaupten, perfekt zu sein. Manchmal sind es die kleinen Eigenheiten – die Ecken und Kanten, die unsere Mitmenschen aber auch besonders liebenswert und einzigartig machen.

Jesus fragt in diesen Tagen durch das Markusevangelium: „Für wen haltet ihr mich?“ Natürlich richtete er diese Frage zunächst an seine Jünger. Doch vielleicht sollten wir uns diese Frage auch heute stellen. Wir werden schneller, höher und lauter, doch wo finden wir Jesus in unserem Alltag? Welchen Platz nimmt er eigentlich noch in unserem Leben ein?

Alles ist im Fluss

Im Laufe der Lebenszeit verändern sich Beziehungen. Sie können an Reife und Tiefe gewinnen. Eltern werden beispielsweise zu guten Freunden, die mit ihrer Lebenserfahrung beratend zur Seite stehen. Freunde wiederum entwickeln sich zu engen Vertrauten und Paten für die eigenen Kinder. Doch: Manchmal vergessen sich Menschen in der Hektik des Alltags. Die Vertrautheit verschwindet in Oberflächlichkeiten des täglichen Lebens und hat keine Chance, sich durch kleine Aufmerksamkeiten und gemeinsame Zeit zu stärken.

Wer ist also Jesus für mich? Wie gestalte ich meine Beziehung zu ihm? Provokativ gesagt – reicht unsere Freundschaft über die Kirchentür hinaus oder genügt mir die Begegnung pünktlich einmal wöchentlich sonntags?

Die letzten Monate ließen viel Spielraum, um kreativ das Glaubensleben zu stärken. Nicht immer waren angesichts hoher Inzidenzen und Kontaktbeschränkungen gemeinsame Gebetszeiten oder Gottesdienstbesuche möglich. Es gibt aber auch andere Möglichkeiten, einander zu begegnen. Für Freunde oder Familie scheuen wir oft weder Zeit noch technische Hürden. Und für Jesus? Natürlich benutzt er weder WhatsApp, noch Facebook, Zoom oder Twitter. Doch er spricht trotzdem zu uns. Ob im Gebet, in der Natur oder während eines guten Gespräches mit einem Mitmenschen – Jesus begegnet uns tagtäglich in vielen kleinen Momenten. Es ist an uns, diese Geschenke anzunehmen und zu erwidern. Auf diese Weise kann unsere Beziehung zu ihm an Reife und Tiefe gewinnen.

Innehalten bei Jesus

Umgekehrt frag doch Jesus am Beginn dieser neuen Woche einmal: „Für wen hältst Du mich eigentlich?“ Die Antwort bereitet vielleicht ein etwas mulmiges Gefühl. In einer guten Beziehung darf man sich offen und ehrlich die Meinung sagen, streiten und diskutieren. Warum sollte Jesus das also nicht auch tun dürfen? Ich glaube nicht, dass ihm all unser Denken, Tun und Handeln gefällt. Umso mehr spornt mich seine konstruktive Kritik an unserer Beziehung an, diese zu stärken, aufeinander zu hören und einander wertzuschätzen. Die Antwort auf die Frage Jesu finden wir tief in unserem Herzen.

Ja, für wen halte ich Dich eigentlich…?

 

Autorin und Sprecherin: Elisabeth Schaab

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