Berufung


Traust du dich, deine Berufung zu leben? Da gehört Mut dazu. Und Vertrauen. Auf dich und Gott. Aber: Kann man das so einfach lernen?

 

Viele von uns sind bestrebt, ihre Berufung zu finden und zu leben. Mir ging und geht es zumindest so. Ich war jahrelang damit beschäftigt herauszufinden, was Gott mit meinem Leben vor hat, ohne zu merken, dass ich da bereits schon in meiner Berufung gelebt habe. Ich dachte Berufung muss oder sollte etwas großes, möglichst sinnvolles sein und nicht mein scheinbar so normales Leben. Ich hatte schon früh das Gefühl, dass Gott mich in einer Familie gebrauchen möchte. Doch irgendwie hat der passende Partner auf sich warten lassen.

Mit Anfang zwanzig, viele in meinem Freundeskreis heirateten, zweifelte ich sehr an meiner Berufung. Ich fragte mich: Was hat Gott sich dabei gedacht? In meinem Kopf war schon alles so schön erdacht und alles passte perfekt, aber in der Realität war nichts perfekt. Ich fühlte mich unvollständig.

 

Achtsames Leben im Augenblick

 In dieser Zeit habe ich beschlossen mein Leben, so zu leben, wie es ist. Mit all den Möglichkeiten die es gab, z.B. spontan weg zu fahren um Freunde zu besuchen oder Jugendarbeit zu machen. So hatte ich am Ende meines Single Dasein´s einen sehr vollen Terminkalender und war relativ erfüllt. Ich tat das, was ich tat, ganz, sei es im Ehrenamt oder in meiner Arbeit als Krankenschwester, immer in dem Bewusstsein: Jetzt habe ich die Zeit und die Energie alle diese Dinge zu tun. Doch immer fehlte mir etwas. Oft wenn ich in meine kleine Wohnung kam, hat mich die Stille und die Ruhe gelähmt und beinah erdrückt. Und heute?

Heute sehne ich mich sehr oft nach dieser Stille.

Heute springen und lachen und streiten sechs Kinder um mich herum.

Heute bin ich dankbar, dass Gott mir damals diese Ruhe geschenkt hat, auch wenn ich damit oft mega überfordert war. Auch für das aktiv sein, das überall dabei sein und die Zeit das Leben in vollen Zügen zu genießen, bin ich dankbar. Das hilft mir heute sehr, manche wilde Phase besser zu überstehen.

 

Neues gewinnen, Altes zurücklassen

Und als ich damals meinen Mann kennengelernt habe, war ich mega glücklich und dankbar. Es war einfach so gut und alles hat sich richtig angefühlt und das obwohl die Umstände nicht so waren wie ich sie mir vorgestellt hatte.

Wir mussten gemeinsam gegen manche Widerstände kämpfen und wurden mehr als einmal mächtig herausgefordert. Und oft habe ich Gott gefragt, ob das wirklich der Platz ist, an dem ich hingehöre. Er hat mich immer wieder bestärkt und mir viele Zeichen geschenkt, um zu verstehen, warum es richtig und wichtig ist genau da zu sein wo ich bin.

Aber ich musste auch einiges zurücklassen, so manche Freundschaft, und auch persönliche Beziehung in der Familie ist dabei leider zerbrochen. Und so schmerzhaft das war und ist, bin ich mir zu 100% sicher dass Gott mich hier an meinem Platz haben will, er hat mir so grandios den Weg hierhin bereitet und er ist bei mir.

 

100-fache Belohnung

Bei Gott ist einfach nichts unmöglich, er belohnt jeden, der ihm nachfolgt und nach seinem Willen lebt. Er sieht was wir zurücklassen auf unserem Weg, wie schwer es uns immer wieder fällt auf ihn zu vertrauen und ihm die Führung zu überlassen. Im kommenden Sonntagsevangelium steht: „Jeder der um meinetwillen und um des Evangeliums willen Haus oder Brüder, Schwestern, Mütter, Väter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird das Hundertfache dafür empfangen“ (Mk 10,29-30) Das Hundertfache! Wow! Gott ist einfach so groß und so genial.

 

Zu Beten wagen

Er versorgt uns.

Er ist bei uns, wenn wir lachen und glücklich sind und er ist bei uns wenn wir am verzweifeln sind.

Er kämpft mit uns und er hat noch viel mit jeden einzelnen von uns vor.

Er fordert uns immer wieder neu heraus.

Es lohnt sich so sehr ihm immer wieder die Führung zu überlassen oder zumindest ihn in manche Situationen im Leben mit rein zu nehmen.

Ich weiss wie schwer es ist und ich muss auch immer wieder neu im Kleinen damit anfangen. Mir hilft das Gebet. Gebet hat einfach eine so große Kraft. Und wir können alles ins Gebet reinpacken, unsere Sorgen und Nöte unseren Dank und unsere Bitten.

Wie wäre es, wenn wir heute genau um das Bitten, wovon wir sonst denken, das gehört nicht ins Gebet? Ich bin gespannt, was Gott bewirkt in deinem und auch in meinem Leben. Auf jeden Fall wird er wirken, wenn wir ihm den Raum dazu geben.

 

Angelika Kucher

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