denk_raum

Wenn man sich mit dem Glauben intensiv auseinandersetzt, dann gibt es vieles zu entdecken. Doch die inhaltliche Kost über den Glauben vor Ort ist häufig schmal. Im Internet und in Zeitschriften gibt es zwar eine Fülle von Informationen, aber keinen Austausch. Bisher.

Beim denk_raum gehen wir große und kleine Themen des Glaubens und des Christentums gemeinsam an. Du bekommst Informationen, um tiefer zu verstehen, Tipps, um das, was man im Internet und anderswo findet, einordnen zu können und die Möglichkeit, deine Fragen zu stellen.

Einmal im Monat treffen wir uns digital und widmen uns einem Thema. Zunächst gibt es einen kurzen Vortrag. In Kleingruppengesprächen können die eigenen Gedanken dann vertieft und im Plenum mit dem Referenten besprochen werden. Anschließend treffen wir uns zum gemütlichen Abend im virtuellen Klosterkeller.

Das Format läuft über die App Zoom. Diese kannst du in einer Free-Version kostenlos herunterladen. Mit dem Newsletter am Montag bekommst du in den entsprechenden Wochen die Links zu den Zoom-Räumen.

Terminübersicht


 

Berichte vergangener Veranstaltungen findest du hier:

Synode: Mehr als nur zuhören und beraten.

Der Synodale Weg in Deutschland und der Synodale Prozess in der Weltkirche zeigen, wie aktuell das Thema Synode in der Kirche ist. Dennoch hat man manchmal den Eindruck: Echte Mitbestimmung sieht anders aus. Im denk_raum haben wir diskutiert, welche Rolle Synoden in der Kirche spielten und spielen. Lies hier nach, was wir dabei herausgefunden haben.
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MARIA – VORBILD IM GLAUBEN

Am 17. Mai 21 gab es folgenden Vortrag von P. Dr. Thomas Klosterkamp OMI zu dem Thema “Maria – Vorbild im Glauben“. Diesen Vortrag kann man hier als PDF herunterladen.

Die biblische Botschaft

Ungeachtet dessen, dass wir scheinbar viel Legendäres über Maria wissen, wollen wir uns zunächst an der Heiligen Schrift orientieren.

Die Bibel enthält keinen Hinweis auf Marias Herkunft. Eltern und Verwandte werden nicht erwähnt. Anna und Joachim finden sich lediglich im Protoevangelium nach Jakobus, einer apokryphen Schrift, die wohl um das 2. Jahrhundert entstanden ist und nicht Eingang in den Kanon des Neuen Testaments fand. – „Zuhause“ scheint Maria dagegen in der Geisteswelt des Alten Testament zu sein. Davon spricht ihr Lobgesang (Lk 1,46–55).

Den Abschluss von Marias Jugendzeit bildet ihr Ja zur Botschaft des Engels (Lukas 1, 38). Danach blieb Maria in einem Zustand des Ahnens, des Wissens und Nicht-Wissens zugleich; einer Erwartung und der Unfähigkeit, sie zu deuten. Es bleibt nur ein Ausharren in der Unbegreiflichkeit auf Gott zu.  

  • Das ist „Marianischer Haltung“: Ich darf Gott wirken lassen; ich muss nicht alles wissen. Die Evangelien sprechen von einer Verlobung und Ehe mit Josef (Lk 1,26 28; Mt 1,18 25). Aber das Geheimnis zwischen ihr und Gott bleibt in ihrem Herzen verborgen (Mt 1,18). Der verständliche Konflikt mit Josef, bezüglich ihrer Schwangerschaft, kann erst durch Gottes Eingreifen gelöst werden. Gott erscheint dem Josef im Traum. Josef wird in das Geheimnis hineingenommen und geht mit Maria ein Bündnis neuer Art
  • Das ist eine ganz neue Form geheiligten menschlichen Miteinanders, die sich auch in meiner zwischenmenschlichen Beziehung erfüllt, wenn ich Gott dabei nicht ausschließe. Die Mutterschaft Mariens umfasst dann zunächst zwölf Jahre der Stille bis zur Erzählung von der ersten Wallfahrt nach Jerusalem (Lk 2,41-52). Auch danach herrscht wieder Stille, bis zum öffentlichen Wirken Jesu. Hier treffen wir Maria bei der Hochzeit zu Kana (Joh 2,1-12) und bei einer recht eigenartigen Begegnung (Mt 12,46-50). Immer ist das Miteinander von Sohn und Mutter von Vertrautheit und Fremdheit geprägt. Es gipfelt im Beisein Mariens bei der Kreuzigung (Joh 19,25).
  • Maria spiegelt mein Schicksal! Gott ist mir so vertraut und dennoch so fremd. Es gilt auszuharren.

Zwei biblische Texte sprechen von dieser Zeit nach Jesu Tod: Johannes nimmt Maria zu sich

(Joh 19, 25-27) und das Ausharren im Gebet mit den Aposteln beim Pfingstereignis (Apg 1,14). Danach tritt das Maria wieder in die Stille

  • Schweigen und Stille sind geistliche Werte! Es ist die Stille, in der Gott meinen Glauben formt.

Der Bogen des Marienlebens spannt sich also von der Verkündigungsszene konsequent zum Pfingsterlebnis. Zuerst, also vor Pfingsten, sind die Apostel und Maria „vor Christus“, trotz aller erfahrenen Vertrautheit bleibt er ihnen fremd. Nach der Geistgabe sind sie „in Christus“, wissen um ihn, sprechen von ihm als Zeugen, durch deren Wort die Hörenden gläubig werden. Mit dem Pfingstereignis erschließt sich Maria alles was sie im Herzen bewahrt hatte (Lk 2,51): den Sinn des Christusereignisses; seine göttliche und menschliche Natur; das Kreuz als Geschehen der Erlösung.

  • Meine christliche Existenz versteht sich immer als ein „vor Christus sein“ (Zweifel, Fragen) und ein „in Christus sein“ (Glaubenserfahrung, Zeugnisgeben). Mein Glaube braucht Zeit, muss wachsen, muss reifen.

 

Die Tradition der Kirche

Ohne die recht komplexe Konzils- und Dogmengeschichte zu bemühen, lohnt es sich in der gebotenen Kürze die Tradition der Kirche in Bezug auf die Begriffe „Gottesmutter“, „Jungfrau“ und „Himmelfahrt“ zu beleuchten.

Wenn die Kirche von der Mutter des Herrn spricht, ist das nicht Nebensache unsers Glaubens.

Maria ist aber auch nicht Hauptsache. Aber sie weist auf die Hauptsache hin. Das heißt, jede Handlung, jedes Wort, jedes Verhalten der Maria von Nazareth ist Ausdruck der Christus-Wirklichkeit, der Offenbarung Gottes selbst. Muttersein impliziert größtmögliche Nähe.

  • In diesem Punkt begegne ich der Gottesmutter in ihrer Mütterlichkeit. Mein Glaube muss wachsen, wenn Christus in meiner Nähe ist. Darum muss ich mich bemühen. Dieses Bemühen ist mühevoll in Bezug: zu dem sich mir offenbarenden Gott; zum eigenen Leben, zu anderen Menschen, zur Kirche.

Was ist die Voraussetzung für eine solche Glaubenshaltung? Die Voraussetzung heißt in Bezug auf Maria Jungfräulichkeit. Das ist also zunächst ein geistlicher Wert und bedeutet weit mehr als das biologische Jungfrausein. Die katholische Kirche lehrt, dass die Menschwerdung Gottes ohne menschliche Zeugung geschehen ist und dass Maria auch nach der Empfängnis des Erlösers nie ehelichen Umgang hatte. Ohne in die jahrhundertealten theologischen

Kontroversen einzusteigen, ist diese Haltung Marias vor allem als ihre Form der eindeutigen

Hinwendung zu Gott zu werten. Für Gott ist das die Voraussetzung. Folglich kann eine solche

Eindeutigkeit von jeder Christin, jedem Christen gelebt werden: in Ehe und Familie; als Ehelose; als Priester und Ordensleute. Egal ob jung oder alt, ob arm oder reich, unabhängig von jedem Bildungsstand. Das führt zum ehrwürdigen Begriff der Reinheit, den wir auch nicht in die biologische Enge führen dürfen. Wissen wir doch alle, dass sobald Gott keine vorrangige Rolle mehr spielt, unsere Gedanken unrein werden können, im Sinne von halbherzig, dem ganzen, dem Sinn meines Lebens als Christen nicht zugewandt.

  • Hier zeigt sich der Ernst einer marianischen Haltung. Ohne eine gewisse Eindeutigkeit in meinem Denken, Sprechen, Beten und Handeln kann Gott durch mich nicht „zur Welt kommen“. Er ist durch mich für niemanden erfahrbar. Marias Existenz als Mutter und Jungfrau stand im Dienst „geistlicher Fruchtbarkeit“. In diesen Dienst ist auch meine christliche Existenz genommen.

Und wohin führt diese Eindeutigkeit? Konsequent zu einer immer tieferen Gemeinschaft mit

Gott! Maria war ganz Mensch. Ihre Aufnahme in den Himmel ist die Konsequenz ihres Lebens.

  • Das „in den Himmel kommen wollen“ ist also keine Frömmelei. Es geht um meine tiefe Sehnsucht nach der Nähe zu Gott. Sie gilt es heute schon zu leben. Sie soll bei der Vollendung meines Lebens eine endgültige Qualität bekommen.

 

Erscheinung, Wunder und Fürbitte

Was ist mit den zahlreichen Marienerscheinungen? Diese übernatürlichen Phänomene des katholischen Wallfahrtswesens weisen, so verschieden sie auch sind, immer gleiche Merkmale auf: Maria spricht in der Landessprache; sie erscheint meist an völlig unbedeutenden Orten, in der Regel vor den Armen der jeweiligen Zeit und Kultur; die Seher, sehr oft Kinder, zeichnen sich immer durch die Reinheit ihres Herzens aus.

Bei Marienerscheinungen und den damit verbundenen Wundern geht in erster Linie nicht um die Menschen: weder um die Seher, die in der Regel bezüglich ihres irdischen Lebens keinen persönlichen Vorteil vom Geschehen haben, noch um Maria selbst. Es geht immer um Jesus Christus, auf dessen göttliches Heilswirken allein hingewiesen wird. Heilungen sind deshalb vor allem Zeichen für das Kommen des Reiches Gottes. Nicht umsonst erscheint Maria deshalb meist als Jungfrau, damit Christus wieder in diese Welt geboren wird. In diese Richtung geht dann auch das Fürbittgebet.

  • Ich darf mich in meinen Anliegen an die Gottesmutter wenden. Damit erbitte ich aber immer die Hilfe Gottes selbst. Mein Fokus ist also nicht Maria, sondern das göttliche Heilshandeln ihres Sohnes!

Nun könnte man kritisch fragen: Warum empfiehlt sich dann überhaupt ein Gebet zur Gottesmutter? – Weil sie Vorbild ist: in ihrer Geduld, in ihrem Reifen, in ihrem Gottvertrauen, in ihrer Nähe zu Christus, schließlich in ihrer Fraulichkeit und Mütterlichkeit.